• Michèle Tara

Meine Seele hat es eilig



Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe zu leben, als ich bisher gelebt habe.


Ich fühle mich wie ein Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat. Die ersten isst es mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrige sind, beginnt es, sie intensiv zu schmecken.


Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.


Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die trotz ihres chronologischen Alters nicht erwachsen sind.


Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmässigkeit zu kämpfen. Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen Manipulierer und Opportunisten den Ton angeben.


Mich stören Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.


Meine Zeit ist kurz. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ich habe nicht mehr viele Süssigkeiten in der Packung.


Ich möchte mit Menschen leben, die menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können und die nicht von ihren eigenen Egos aufgeblasen werden.

Die Verantwortung für sich selbst übernehmen. Auf diese Weise wird die Menschenwürde verteidigt und wir leben in Wahrheit und Ehrlichkeit.


Es ist das Wesentliche, was das Leben lebenswert macht.


Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die gelernt haben, nicht durch Strenge und Härte, sondern durch sanfte Berührung der Seele zu wachsen.


Ja, ich habe es eilig. Ich hab es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.


Ich habe nicht vor, die Süssigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.


Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen. In Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.


Wir haben zwei Leben und das zweite

beginnt, wenn Du erkennst, dass Du nur eines hast.


Gedicht von Mario de Andrade (Sao Paulo, 1893 – 1945)

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© Michèle Tara Mooser. erstellt mit Wix.com

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